Kunstvolles Versteckspiel auf riesigen Polaroids

1948 wurde die Polaroid-Kamera erfunden, aus der wenige Sekunden nach dem Fotografieren schon die fertigen Bilder herauskamen. 1977 konnte sie – 100 kg schwer – sogar Fotoformate in einer Größe von 50 x 60 cm produzieren. Nach dem Siegeszug der Digitalkameras meldete die Firma Polaroid 2008 Insolvenz an. Heute existieren von der gewichtigen Studiokamera nur noch fünf Exemplare weltweit und das dazugehörige Filmmaterial wird bald nicht mehr lieferbar sein. 2017 bekam der Künstler Thorsten Brinkmann (geb. 1971 in Herne, lebt und arbeitet in Hamburg) die Möglichkeit, im Studio Supersense in Wien mit den letzten großformatigen Farbpolaroids zu experimentieren: Auf einer improvisierten Bühne mit Teppichen, Brettern und Vorhängen schlüpfte Brinkmann in die Verkleidung und in diverse herrschaftliche Posen eines Königs. Die Mitarbeiter bedienten die monströse Kamera und es entstanden 50 einzigartige inszenierte Fotos mit dem Titel Se King – director’s shot. Während alle anderen Arbeiten von Brinkmann mit Selbstauslöser aufgenommene Selbstporträts sind, handelt es sich hier um eine Re-Inszenierung von vorher in seinem Hamburger Atelier erarbeiteten Selbstporträts, also um Porträts. Gemeinsam ist ihnen, dass der Künstler darauf stets bis zur Unkenntlichkeit maskiert ist und man niemals sein Gesicht sehen kann. Seine Fotografien sind Entlarvungen von Ikonen und Persiflagen auf die klassische Porträtmalerei.

Das Buch, mit einem Text von Matthias Harder, zeigt die komplette Serie von 50 Polaroids.

Thorsten Brinkmann

Ed.Thorsten Brinkmann
Language

German / English

Format24 x 33 cm
Features

 112 pages,

110 color and b/w images

Hardcover

ISBN

978-3-95476-220-0

Release

December 2017

 


Neue geometrische Abstraktion

Die streng konstruierten Flächen, Farben und Linien in den Gemälden von Roman Lang (geb. 1976 in Neumarkt i. d. Oberpfalz, lebt und arbeitet in Düsseldorf), in Schichten übereinander gelegt und miteinander multipliziert, ergeben ein potenziert geordnetes Chaos. Seine Malerei ist durchzogen von suprematistischen Tendenzen. Gerade Linien, die spitz aufeinander zulaufen, sich treffen und geometrische Formen bilden. Vektorformen, die sich eingliedern, aber auch gegeneinander wirken. Dreiecke, die in ihrer Vielzahl mit verschiedenen Farbabstufungen differenziert sind. Zusammengenommen fühlen sie sich an wie ein Zeitstrudel, der den Betrachter einsaugt, ihn zwischen Zukunft und Vergangenheit durchschüttelt und am Ende explodierend im Jetzt wieder ausspuckt. Langs Malerei schießt einen direkt auf eine neokonstruktivistische 1980er-Jahre-Party, auf der Kasimir Malewitsch und El Lissitzky auf einem um neunzig Grad gekippten Flachbildschirm den Computerspielklassiker Tron spielen.

Mit Texten von Herbert Burkert und Amely Deiss.

Roman Lang

Ed.Roman Lang
Language

German / English

Format23,5 x 29 cm
Features

 144 pages,

approx. 110 color images

Hardcover

ISBN

978-3-95476-198-2

Release

January 2018

 


Der Toulouse-Lautrec des Times Square

Patrick Angus (geb. 1953 in North Hollywood, gest. 1992 in New York) war der malende Chronist des schwulen Lebens im Manhattan der 1980er Jahre. Zu einer Zeit, in der abstrakte und minimalistische Kunst Vorrang hatten, wendete er sich bewusst der figurativen gegenständlichen Malerei zu. Seine Gemälde und Zeichnungen umfassen Porträts, Stadtansichten und Landschaften und immer wieder Darstellungen des homosexuellen Untergrundmilieus mit seinen Stripshows, einschlägigen Bars und Badehäusern. Dabei ging es Angus jedoch weniger um ein politisches Statement, als vielmehr um die Wiedergabe menschlicher Grundbedürfnisse, Sehnsüchte und Ängste. Seine Bilder sind Metaphern für die Suche nach der eigenen Identität und damit auch der geschlechtlichen Selbstfindung. Mit seinen Kompositionen und seinem Einsatz von Licht und expressiver Farbigkeit schafft Angus es, nicht nur die Ungehemmtheit seiner Modelle, sondern die ganz besondere Atmosphäre, in der sie sich bewegen, einzufangen. Sein großes Vorbild war der in Kalifornien lebende britische Maler David Hockney. Dieser wurde 1992 auf Angus aufmerksam und erwarb noch zu Lebzeiten sechs seiner Arbeiten. Das Werk von Patrick Angus, der im Alter von 38 Jahren an den Folgen seiner HIV-Infektion starb, war bislang ein Geheimtipp und blieb in der Kunstszene weitgehend unentdeckt.

Das Buch – mit Texten von Tobias Bednarz, Sebastian Preuss, Sarah Donata Schneider, Douglas Blair Turnbaugh und Anne Vieth sowie einem Vorwort von Ulrike Groos – gibt einen detaillierten Überblick über das gesamte Schaffen des Künstlers.

Patrick Angus - Private Show

Ed.Ulrike Groos
Language

German / English

Format25 x 30 cm
Features

 156 pages,

140 color and b/w images

Hardcover

ISBN

978-3-95476-213-2

Release

December 2017

 


Die ästhetische Bewertung von Gerüchen

Die Gerüche antiquarischer Bücher stehen im Mittelpunkt der Ausstellung, zu der diese Publikation erscheint. Hisako Inoue (geb. 1974 in Yokohama, lebt und arbeitet in Yokohama) hat dazu in Antiquariaten, auf Flohmärkten und in privaten Wohnungen Bücher ausgewählt. Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Buch auf olfaktorischer Ebene, losgelöst von visuellen oder inhaltlichen Werten, erscheint ungewöhnlich, ist doch das gedruckte Buch als Medium wertvoller Inhalte eng mit seiner optischen Gestaltung verbunden. Haptische, auditive und visuelle Eindrücke unterstreichen die Beziehung zwischen Mensch und Buch. Aber Düfte triggern unser implizites Gedächtnis weitaus mehr und können Gemütszustände aufrufen, die intensiver sind als die durch das Sehen und Hören geweckten. Neben Druckverfahren und Papierzusammensetzung wirkt sich auch die menschliche Benutzung der Bücher auf den Geruch aus. In Zeiten der Digitalisierung und des E-Books erscheint die Präsentation der engen Verbundenheit des Menschen zum gedruckten Buch nostalgisch. Für Hisako Inoue aber sind die antiquarischen Bücher mit ihren unterschiedlichen Gerüchen Sinnbild eines „gelebten Lebens“.

Mit Beiträgen von Cecilia Bembibre und Matija Strlič, Madalina Diaconu, Takuro Shibayama und Mika Shirasu sowie einem Gespräch zwischen Anne Marr und Hisako Inoue.

Hisako Inoue - Die Bibliothek der Gerüche

Ed.Michael Buhrs, Anne Marr
Language

German / English

Format16,5 x 24 cm
Features

 96 pages,

32 color images

Softcover

ISBN

978-3-95476-218-7

Release

November 2017

 



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